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Risikoschwangerschaft und Frühgeburt

Gut betreut: besondere Schwangerschaften und Geburten

Liebe werdende Mutter, liebe Familie,
zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!

Eine Schwangerschaft kommt manchmal zwar überraschend, ist meist jedoch eine mit positiven Gefühlen und Erwartungen verbundene Zeit. Die Gesundheit des Kindes und die der Mutter spielen dabei die wichtigste Rolle – in den Gedanken der Familie, aber auch aus medizinischer Sicht.

Jede Schwangerschaft wird daher durch regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen begleitet. In der Regel findet die erste Untersuchung direkt nach der Feststellung der Schwangerschaft bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt statt: Die werdende Mutter wird auch zu verschiedenen Faktoren wie bestehenden Erkrankungen oder früheren Schwangerschaften befragt. Dabei kann es vorkommen, dass die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird.

Auf den nachfolgenden Seiten möchten wir Ihnen zeigen, was eine Risikoschwangerschaft bedeutet, auf was Sie dann besonders achten können und welche Besonderheiten es mit sich bringt, wenn Ihr Baby zu früh das Licht der Welt erblickt.

Risikoschwangerschaft

Sicher ist sicher – Risiken vermindern
Eine Schwangerschaft ist für die meisten Frauen und Paare eine manchmal zwar überraschende, meist jedoch mit positiven Gefühlen und Erwartungen verbundene Zeit. Die Gesundheit des Kindes und der Mutter spielen dabei die vielleicht wichtigste Rolle – in den Gedanken der Familie, aber auch aus medizinischer Sicht.

Jede Schwangerschaft wird daher durch eine engmaschige medizinische Überwachung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen begleitet. In der Regel findet die erste Untersuchung direkt nach der Feststellung der Schwangerschaft bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt statt: Jede werdende Mutter wird zunächst zu verschiedenen Faktoren wie bestehenden Erkrankungen oder früheren Schwangerschaften befragt. Diese Informationen werden im Mutterpass notiert. Sind dabei bestimmte Faktoren gegeben, wird eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft. Doch was bedeutet das und was sind die Konsequenzen für Mutter und Kind?

Wird eine Frau als risikoschwanger eingestuft – dies ist immerhin bei fast 50 Prozent aller Schwangerschaften der Fall –, handelt es sich in den meisten Fällen um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Diese bringt eine engmaschigere Betreuung und zusätzliche Untersuchungen mit sich und bedeutet, dass sich Mutter und Kind gegebenenfalls mehr schonen oder im Verlauf der Schwangerschaft einige zusätzliche Empfehlungen berücksichtigen sollten. Die Einstufung dient also vor allem dazu, Komplikationen im Verlauf der Schwangerschaft zu vermeiden, das Risiko einer möglichen Frühgeburt zu verringern und die Gesundheit von Mutter und Kind sicherzustellen. Schwangere sollten sich durch die Einstufung als Risikoschwangerschaft nicht beunruhigen oder verunsichern lassen. Wichtig ist jedoch, dass sie auf sich achtgeben und die Hinweise ihrer Ärzte ernst nehmen.

Wann wird eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft?
Die Einstufung als Risikoschwangerschaft erfolgt aus vielfältigen Gründen. So wird sie beispielsweise bei Schwangeren unter 18 oder über 35 Jahren vorgenommen: Bei diesen Altersgruppen treten während einer Schwangerschaft häufiger Komplikationen auf. Des Weiteren wird eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft behandelt, wenn Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen oder Bluthochdruck bekannt sind. Auch wenn eine Mutter bereits ein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht hat, wird sie bei jeder folgenden Schwangerschaft als risikoschwanger eingestuft. Zudem werden Komplikationen wie vorherige Fehl- oder Frühgeburten als Risikofaktoren berücksichtigt. Ein weiterer Risikogrund sind darüber hinaus Mehrlingsschwangerschaften.

Besonders Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsum sind in der Schwangerschaft vermeidbare Risikofaktoren. Daher sollten alle Schwangeren zum Wohle ihres Kindes auf deren Konsum verzichten.

Nicht immer lassen sich Komplikationen absehen oder vermeiden. Einige Verhaltensweisen können jedoch dabei helfen, dass Mutter und Kind die (Risiko-)Schwangerschaft gesund durchleben und die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt sinkt.

Verschiedene Risikofaktoren auf einen Blick
Nicht immer lassen sich Komplikationen absehen oder vermeiden. Einige Verhaltensweisen können jedoch dabei helfen, dass Mutter und Kind die (Risiko-)Schwangerschaft gesund durchleben und die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt sinkt. Nachfolgend finden Sie wichtige Informationen zu ausgewählten Faktoren, die mit einem erhöhten Frühgeburtenrisiko einhergehen.

Gebärmutterhalsverkürzung/Muttermundschwäche/Zervixinsuffizienz

Der Gebärmutterhals (Zervix) ist das untere Ende der Gebärmutter und verbindet diese über den Muttermund mit der Scheide. Von seinen sonst 2 bis 2,5 Zentimetern verlängert sich der Gebärmutterhals in der Schwangerschaft auf etwa 3 bis 5 Zentimeter. Der Muttermund ist normalerweise bis zur Geburt fest verschlossen. So wird unter anderem verhindert, dass Keime und Bakterien in die Gebärmutter eindringen können. Rückt der Geburtstermin näher, dehnt sich der Gebärmutterhals durch den Druck des Kindes so weit aus, bis sich der Muttermund öffnet. Dabei wird der Gebärmutterhals auch wieder kürzer. Der Muttermund weitet sich während der Geburt auf einen Durchmesser von etwa 10 Zentimetern – so, dass der Kopf des Kindes hindurch passt.

Wenn sich der Gebärmutterhals vorzeitig verkürzt und auch der Muttermund weicher wird, spricht man von einer Zervixinsuffizienz. Diese zeigt sich zwischen dem vierten und sechsten Schwangerschaftsmonat. Wenn die Länge des Gebärmutterhalses unter 2,5 Zentimeter beträgt, steigt das Risiko für eine Frühgeburt stark an. Häufigste Ursache sind Infektionen, die eine Wehentätigkeit auslösen. Auch vorangegangene komplizierte Geburten oder Schwangerschaftsabbrüche sowie Operationen an der Gebärmutter können eine Zervixinsuffizienz verursachen. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist die Zervixinsuffizienz häufiger, da hier der Druck auf den Muttermund schon früh im Verlauf der Schwangerschaft relativ hoch ist. Sehr oft lässt sich allerdings keine Ursache für die Gebärmutterhalsverkürzung finden.

Diagnose, Behandlung und Selbsthilfemaßnahmen
Eine Zervixinsuffizienz entwickelt sich meist, ohne dass die Schwangere es bemerkt. Den Vorsorgeuntersuchungen kommt deswegen eine besondere Bedeutung zu: Hier kann durch Tastbefund und gegebenenfalls mittels Vaginalultraschall die Länge des Gebärmutterhalses immer wieder kontrolliert werden. Wird festgestellt, dass der Gebärmutterhals verkürzt bzw. der Muttermund weich ist, ist die Stabilisierung der Schwangerschaft das höchste Ziel.

Oftmals ist es dafür notwendig, dass die werdende Mutter Bettruhe einhält sowie Stress und körperliche Anstrengung vermeidet. Eine vorzeitige Wehentätigkeit wird darüber hinaus mit wehenhemmenden Medikamenten behandelt. Geschlechtsverkehr kann die Wehentätigkeit stimulieren und sollte deshalb nicht ausgeübt werden. Das Risiko für eine Frühgeburt wird durch Rauchen sowie Alkohol- oder Drogenkonsum noch weiter erhöht – werdende Mütter mit Zervixinsuffizienz sollten darauf unbedingt verzichten.

Wenn eine Infektion ursächlich für die Zervixinsuffizienz ist, wird die Schwangere mit Antibiotika behandelt. Hierzu ist meistens ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig, um neben der antibiotischen Behandlung und Lungenreifeinduktion auch die für Mutter und Kind wichtige Ruhe zu gewährleisten.

Sollte keine Infektion vorliegen, kann zur Stabilisierung des Gebärmutterhalses ein Pessarring eingelegt werden.

Intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR: intrauterine growth retardation)

Wenn ein ungeborenes Kind in der Gebärmutter nur verzögert wächst, kann dies auf eine intrauterine Wachstumsretardierung (IUGR) hinweisen. Das Risiko einer Frühgeburt ist bei Kindern mit dieser Entwicklungsstörung erhöht. Nicht immer sind für ein verringertes Wachstum jedoch pathologische Faktoren verantwortlich, d. h., nicht immer ist die geringe Körpergröße durch eine Erkrankung bedingt: So, wie es kleine gesunde Erwachsene gibt, gibt es auch kleine gesunde ungeborene Kinder. Solche Kinder, die auf das Reifealter bezogen sehr klein sind, werden als „small for gestational age“ (SGA) bezeichnet.

Zur Bewertung des kindlichen Wachstums werden Perzentilenkurven herangezogen: Diese geben an, wie groß und schwer Kinder im Durchschnitt an einem bestimmten Zeitpunkt der Schwangerschaft sind. Wenn ein ungeborenes Kind dabei kleiner ist als 90 % der anderen Kinder zu diesem Zeitpunkt, muss eine Differenzierung zu SGA erfolgen: Mit regelmäßigen Wachstumskontrollen kann festgestellt werden, ob ein Kind innerhalb seiner Perzentile weiterwächst (= SGA) oder ob sich das Wachstum immer weiter verzögert (= IUGR). Die Durchblutung des Mutterkuchens kann bei einer IUGR so gering sein, dass es zu einem Wachstumsstopp kommt.

Ursachen und Behandlung
Die IUGR kann durch genetische Faktoren, mütterliche Erkrankungen, aber auch durch Umwelteinflüsse bedingt sein. Alkohol, Nikotin oder andere Drogen können das Wachstum verzögern: Werdende Mütter sollten deswegen dringend auf deren Konsum verzichten.

Bei Vorliegen einer IUGR wird in ärztlichen Untersuchungen nach den zugrunde liegenden Ursachen gesucht. Diese können beispielsweise Infektionen oder mütterliche Erkrankungen wie Präeklampsie oder Bluthochdruck sein. Aus diesen Untersuchungen ergibt sich, welche weitere Überwachung für Mutter und Kind notwendig ist und welche Behandlung erfolgt. Es wird versucht, die Durchblutung des Mutterkuchens (Plazenta) zu fördern, um ideale Bedingungen für die weitere Entwicklung des Kindes zu schaffen. Die Mutter muss sich in diesem Fall körperlich schonen, auch das Hochlegen der Beine fördert die Plazentadurchblutung. Werdende Mütter werden bei der Diagnose IUGR engmaschig untersucht, dazu gehören neben Ultraschalluntersuchungen auch Untersuchungen der kindlichen Herztöne. Mit einer speziellen CTG-Auswertungssoftware kann bis zur 36. Schwangerschaftswoche der Stresszustand des Kindes beurteilt werden – dies gibt wichtige Hinweise auf den Entwicklungsstand des Kindes und liefert somit Anhaltspunkte, welche weiteren Schritte notwendig sind.

Je früher eine Wachstumsretardierung im Verlauf der Schwangerschaft auftritt, desto höher ist auch das Risiko einer Frühgeburt. Um das Kind auf eine mögliche Frühgeburt optimal vorzubereiten, werden deswegen Maßnahmen zur Förderung der Lungenreife getroffen. Die Überwachung erfolgt meist stationär – so kann dafür gesorgt werden, dass die Entbindung zum bestmöglichen Zeitpunkt erfolgt. Solange keine weiteren Komplikationen auftreten, kann eine spontane Geburt angestrebt werden. Bei Kindern mit IUGR ist die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen wie beispielsweise Adipositas, Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen erhöht. Im Schulalter können darüber hinaus Verzögerungen der kognitiven Entwicklung auftreten.

Präeklampsie – Eklampsie – HELLP-Syndrom

Die Präeklampsie ist eine Erkrankung, die nur in der Schwangerschaft auftritt. Sie äußert sich im Wesentlichen durch drei Symptome: Bluthochdruck (Hypertonie), erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Urin (Proteinurie) sowie Flüssigkeitseinlagerungen und Schwellungen (Ödeme).

Sie zeigt sich erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte, nur selten erkranken werdende Mütter vor der 20. Schwangerschaftswoche. Die Ursache für Präeklampsie liegt in einer Einnistungsstörung des Mutterkuchens. Das Risiko, während der Schwangerschaft an einer Präeklampsie zu erkranken, ist beispielsweise bei Mehrlingsschwangerschaften, bei Diabetespatientinnen oder bei werdenden Müttern mit chronischem Übergewicht oder chronischem Bluthochdruck erhöht. Auch Erstgebärende und werdende Mütter über 35 Jahre erkranken häufiger.

Diagnose und Behandlung
Da sich die Präeklampsie zunächst für die Schwangere unmerklich entwickeln kann, ist es umso wichtiger, die Vorsorgetermine regelmäßig wahrzunehmen. Bei jeder Untersuchung wird der Urin auf Eiweiß untersucht und der Blutdruck gemessen, um Warnzeichen frühzeitig erkennen zu können. Sind Risikofaktoren für Präeklampsie bekannt, sollte eine engmaschige Kontrolle der Schwangerschaft erfolgen. Wenn bei einer Doppler-Ultraschalluntersuchung der Gebärmutterarterien (Arteriae uterinae) auffällige Werte festgestellt werden, muss im weiteren Verlauf der Schwangerschaft besonders auf erhöhte Blutdruckwerte geachtet werden. Bei werdenden Müttern, die zur Risikogruppe gehören, kann eine tägliche niedrig dosierte Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) das Risiko einer Präeklampsie senken. Diese Therapie sollte spätestens ab der 16. Schwangerschaftswoche begonnen werden.

Ruhe und Schonung wirken sich ebenfalls günstig auf den Blutdruck aus, auch kurze entspannende Spaziergänge tun der werdenden Mutter gut.

Bei erhöhtem Blutdruck in der Schwangerschaft erfolgt die Einstellung zunächst beim niedergelassenen Arzt. Auch Kopfschmerzen, Oberbauchbeschwerden, Augenflimmern, Unwohlsein und Erbrechen sind Anzeichen für Präeklampsie. Wenn ein Verdacht auf Präeklampsie vorliegt, werden weitere Laboruntersuchungen veranlasst. Eventuell muss die Schwangere auch einige Tage zur stationären Überwachung aufgenommen werden: So kann der Blutdruck unter Überwachung des Kindes medikamentös eingestellt und der Verlauf der Erkrankung beobachtet werden.

Eine regelmäßige Kontrolle des Verlaufs bzw. ggf. eine stationäre Überwachung sind wichtig, da eine Präeklampsie zwar stabil bleiben, sich aber auch langsam über mehrere Wochen oder innerhalb von wenigen Tagen verschlechtern kann.

Wenn aus der Präeklampsie eine Eklampsie wird
Wenn die Präeklampsie nicht behandelt wird, kann sie in die sogenannte Eklampsie übergehen und Krampfanfälle bei der Mutter auslösen. Glücklicherweise ist die Vorsorge in Deutschland so gut, dass diese Komplikation sehr selten ist. Gegebenenfalls wird die vorzeitige Einleitung der Geburt bzw. ein Kaiserschnitt notwendig, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen – in diesem Fall wird vor der 34. Schwangerschaftswoche wie bei anderen Frühgeburten verfahren, und die Mutter erhält eine Spritze zur Induzierung der Lungenreife beim Kind.

Das HELLP-Syndrom – ernst, aber selten
Eine schwerwiegende Sonderform der Präeklampsie stellt das HELLP-Syndrom dar.

Man vermutet, dass das HELLP-Syndrom eine ähnliche Ursache hat wie die Präeklampsie. Bei einem HELLP-Syndrom kommt es jedoch zu ausgeprägten Veränderungen in der Leber. Darüber hinaus lösen sich die roten Blutkörperchen spontan auf (Hämolyse), und die Zahl der für die Blutgerinnung zuständigen Blutplättchen verringert sich. Da dieses Krankheitsbild für die Mutter lebensgefährlich ist, muss eine schnelle Entbindung erfolgen – die Entbindung stellt die einzige Behandlungsmöglichkeit des HELLP-Syndroms dar. Um das Kind auf die Geburt vorzubereiten, wird bei einer Entbindung vor der 34. Schwangerschaftswoche eine Induktion der Lungenreife durchgeführt. Das HELLP-Syndrom ist nicht häufig und tritt rund einmal bei 150 bis 300 Schwangerschaften auf.

Zu den Warnzeichen für das HELLP-Syndrom gehören:

- plötzlich auftretendes Unwohlsein
- starke Schmerzen im Oberbauch, hauptsächlich rechts, die auch in Rücken und Schulter ausstrahlen können
- Übelkeit mit Erbrechen oder Durchfall
- Augenflimmern, Sehstörungen
- heftige Kopfschmerzen

Wenn eine Schwangere eins dieser Symptome an sich feststellt, insbesondere bei vorbestehender Präeklampsie, sollte sie umgehend einen Arzt oder die Klinik aufsuchen. Sowohl bei Präeklampsie als auch beim HELLP-Syndrom ist das Wachstum der Kinder häufig verzögert.

Schwangerschaftsdiabetes

Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Im Verlauf der Schwangerschaft erhöht sich der Energiebedarf für Mutter und Kind. Insbesondere in der zweiten Schwangerschaftshälfte produziert der Körper größere Mengen an Schwangerschaftshormonen (z. B. Östrogen, Gestagen, HCG): Diese sorgen unter anderem dafür, dass größere Energiemengen in Form von Glukose freigesetzt werden. Mit dem Mehr an Glukose wächst der Bedarf an Insulin, das diesen Treibstoff aus dem Blutstrom in die Zellen bringt und gleichzeitig die Konzentration des Zuckers im Blut senkt. Darüber hinaus funktionieren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel die Insulinrezeptoren schlechter, wodurch weniger Glukose in die Zellen aufgenommen werden kann. Im Normalfall gibt die Bauchspeicheldrüse sofort mehr Insulin ab, wenn der Blutzuckerspiegel steigt. Bei etwa vier Prozent der Schwangeren reicht jedoch die Insulinproduktion nicht mehr aus, es entsteht ein Gestationsdiabetes.

Hauptrisiko Übergewicht
Häufig betrifft Schwangerschaftsdiabetes Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Body-Mass-Index (BMI) von über 27 hatten, sowie Frauen, in deren Familien Diabetes Typ 2 vorkommt. Wenn die Schwangere bei einer früheren Schwangerschaft bereits einen Gestationsdiabetes hatte, ein früheres Kind bei der Geburt über 4.500 Gramm wog oder sie schon einmal eine späte Fehlgeburt erlitten hat, ist das Risiko für das Auftreten von Schwangerschaftsdiabetes erhöht. Auch Schwangere, die älter als 35 Jahre sind, werden zu den Risikogruppen gezählt.

Mögliche Komplikationen
In den meisten Fällen verläuft ein Schwangerschaftsdiabetes von der Mutter selbst anfänglich unbemerkt. Die Behandlung ist jedoch wichtig, um schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind zu vermeiden. Neben einem erhöhten Frühgeburtsrisiko steigt durch Gestationsdiabetes auch die Wahrscheinlichkeit für:

Harnwegs- oder Scheidenentzündungen (diese steigern das Risiko einer Frühgeburt zusätzlich)
Bluthochdruck mit der möglichen Folge von Präeklampsie, Eklampsie oder dem HELLP-Syndrom
ein überdurchschnittliches und zu schnelles Wachstum des Babys (Makrosomie) mit Komplikationen bei der Geburt als möglicher Folge
Unterzuckerungen oder einem Atemnotsyndrom beim Neugeborenen
Fehlbildungen bei in der Frühschwangerschaft einsetzendem Schwangerschaftsdiabetes
Diabetes mellitus beim Kind
Diagnose, Behandlung und Selbsthilfemaßnahmen
Da die werdende Mutter selbst lange gar keine Symptome bemerkt, kommt den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft eine wesentliche Bedeutung zu.

Ist ein Risiko bekannt, wird bereits am Beginn der Schwangerschaft eine Blutzuckeruntersuchung vorgenommen. Bei positivem Befund erfolgt die Betreuung durch einen Diabetologen.

Während der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche wird allen Schwangeren im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge ein Diabetessuchtest angeboten. Bei auffälligem Ergebnis folgt ein sogenannter oraler Glukosetoleranztest (OGTT).

Auch wenn die Diagnose die werdende Mutter aus heiterem Himmel trifft: Die allermeisten Kinder kommen trotz Gestationsdiabetes gesund zur Welt – wenn die Erkrankung erkannt und behandelt wird.

Schwangere können selbst eine ganze Menge tun, um ihre Blutzuckerwerte zu senken. Eine gezielte Gewichtsabnahme während der Schwangerschaft ist nicht zu empfehlen, doch meist reichen dazu schon mehr Bewegung und eine Umstellung der Ernährung aus:

Bewusst und abwechslungsreich essen: wenig Fett und Süßes, mehr Gemüse und Vollwertiges
Ausreichend trinken: täglich mindestens zwei Liter Wasser
Runter von der Couch: flotte Spaziergänge von jeweils 30 Minuten dreimal pro Woche, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Radfahren, Gymnastik, Yoga
Lässt sich der Blutzuckerspiegel auf diese Weise nicht senken, wird es in Ausnahmefällen auch für Schwangere notwendig, Insulin zu spritzen.

Stillen schützt auch Mütter
Meist kommt es nach der Schwangerschaft von allein zu einer Normalisierung der Blutzuckerwerte. Die Mutter hat nach einem Schwangerschaftsdiabetes jedoch ein dauerhaft erhöhtes Risiko, später an einem Diabetes mellitus zu erkranken. Studien haben ergeben, dass Stillen das langfristige Diabetesrisiko um mehr als 40 Prozent senkt. Dabei ist die Dauer entscheidend: Der schützende Effekt ist besonders bei denjenigen Frauen ausgeprägt, die ihre Kinder länger als drei Monate gestillt haben. Darüber hinaus können Gewichtsregulierung und regelmäßige körperliche Aktivität helfen, die Entwicklung von Diabetes zu verhindern.

Frühgeburt

Wenn Babys zu früh auf die Welt kommen

Eine Schwangerschaft dauert im Regelfall neun Monate beziehungsweise 40 Wochen. Diese Dauer ist biologisch so angelegt, damit sich das Ungeborene optimal entwickeln kann. Die Organe und auch die Sinne des Kindes bilden sich innerhalb dieser Zeit so weit aus, dass es nach der Geburt bestens auf das Leben außerhalb der schützenden Gebärmutter vorbereitet ist. Doch was, wenn das Kind schon früher das Licht der Welt erblickt?

Im Durchschnitt wird jedes zehnte Kind in Deutschland bereits vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren und zählt damit als Frühgeborenes oder Frühchen. Das Geburtsgewicht von Frühchen liegt dabei meist unter 2.500 Gramm. Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren werden, sind meist noch kleiner. Sie bringen ein Gewicht von weniger als 1.500 Gramm auf die Waage oder können – je nach Zeitpunkt ihrer Geburt – auch nur 500 Gramm wiegen. Etwa ab Ende der 24. Schwangerschaftswoche gelten Kinder auch außerhalb des mütterlichen Bauchs als lebensfähig. Ab diesem Zeitpunkt wird alles dafür getan, dass sich die Kleinen gesund entwickeln.

Je früher ein Kind vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommt und je früher damit der vorgesehene Entwicklungsprozess unterbrochen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einige Organe noch nicht ausreichend entwickelt sind. Insbesondere die Lunge ist bei einem Frühchen je nach Geburtszeitpunkt daher oftmals noch nicht auf die Atmung vorbereitet und es braucht besondere medizinische Versorgung.

Warum es zu einer Frühgeburt kommen kann

Was können Schwangere tun, um die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt zu senken?
Unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wurde oder nicht, können werdende Mütter einige Hinweise beachten, um die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt zu vermindern.

Einer der häufigsten Faktoren, die eine verfrühte Geburt begünstigen, stellt das Rauchen während der Schwangerschaft dar. Zum Wohl des Kindes sollten Schwangere deswegen für die Zeit der Schwangerschaft auf Zigaretten komplett verzichten. Für werdende Mütter gibt es besondere Angebote, die sie darin unterstützen, mit dem Rauchen aufzuhören – Hebamme und Frauenarzt begleiten bei der Suche nach professioneller Hilfe.

Auch die hormonellen Umstellungen während der Schwangerschaft können bei Frauen zu einem erhöhten Infektions- und damit auch einem erhöhten Frühgeburtsrisiko führen:

So verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen für Milchsäurebakterien, die eine natürliche Barriere für infektionsauslösende Bakterien sind: Das Risiko für Pilzerkrankungen und Infektionen steigt. Durch die Messung des pH-Werts in der Scheide lässt sich feststellen, ob dieses schützende Bakterienmilieu vorliegt. Die Untersuchung wird im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge alle vier Wochen vom Frauenarzt durchgeführt. Um den pH-Wert zu Hause selbst zu überprüfen, sind entsprechende Selbsttests auch in der Apotheke erhältlich und die Kosten hierfür werden von vielen Krankenkassen übernommen.
Durch die veränderte Speichelzusammensetzung ist während der Schwangerschaft zudem die Gefahr von Zahnfleischblutungen erhöht. Dadurch verursachte bakterielle Infektionen wie Parodontitis im Mundraum können durch die Bakterienausbreitung über das Blut der Mutter Frühgeburten auslösen. Schwangere sollten deswegen beim Zahnarzt einen Check auf Parodontitis vornehmen lassen und besonderen Wert auf eine sorgfältige Zahnhygiene legen.
Generell sollten Frauen in der Schwangerschaft besonders acht auf sich selbst geben und so ihr Kind vor schädlichen Einflüssen schützen.

Dazu gehört beispielsweise eine ausgewogene Ernährung mit für Schwangere wichtigen Nährstoffen ebenso wie aktive Entspannung oder leichte körperliche Bewegung.

Schwangere können in den meisten Fällen bis kurz vor der Geburt arbeiten, wenn sie dies wünschen. Dabei sollten sie jedoch genug Ruhe und Erholung in ihren Alltag integrieren – sich einfach mal hinzulegen wirkt Wunder und füllt Energiereserven auf.

Wichtig ist die Schaffung von Ruhephasen: Werdende Mütter sollten ganz besonders darauf achten, dass sie Stress aus dem Weg gehen und sich selbst und ihr Kind nur leicht und keinesfalls bis an den Rand der Erschöpfung belasten.

Eine Frühgeburt kündigt sich an – so werden Mutter und Kind unterstützt
Schwangere sollten während der gesamten Schwangerschaft darauf achten, eventuelle Anzeichen für eine bevorstehende Frühgeburt zu kennen und richtig zu deuten. Bei einigen Beschwerden empfiehlt es sich, ein Krankenhaus aufzusuchen: Hier gilt es, lieber etwas zu vorsichtig zu sein – wenn es Kind und Mutter gut geht, darf die Schwangere bald wieder nach Hause.

Zu den Anzeichen für eine eventuell bevorstehende Frühgeburt gehören:

Das Gefühl eines Drucks nach unten im Unterbauchbereich
Beschwerden, die an Regelschmerzen erinnern, sowie Rückenschmerzen
Unerwartete Änderung des Befindens ohne erkennbaren Grund

Bei frühzeitigen Wehen oder einem verfrühten Blasensprung wird die werdende Mutter im Krankenhaus beziehungsweise im spezialisierten Perinatalzentrum aufgenommen. Hier ist es das wichtigste Bestreben, Mutter und Kind bis zur Geburt medizinisch bestmöglich zu versorgen und vor allem die verbleibende Zeit zu nutzen, um das Ungeborene auf die Geburt und die ersten Wochen und Monate vorzubereiten.

Förderung der Lungenreife
Während sich das Kind in der Gebärmutter befindet, erfüllt seine Lunge noch keine Funktion und ist mit Fruchtwasser gefüllt. Im Verlauf der Schwangerschaft „üben“ Kinder atmen durch Atembewegungen. Aber erst ab der 24. Schwangerschaftswoche entwickelt sich in der Lunge des Kindes das sogenannte Surfactant: Es sorgt dafür, dass sich die Lungenbläschen ausbilden, die für den Gasaustausch und somit die Sauerstoffaufnahme des Körpers wichtig sind, und trägt somit zur Reifung der Lunge bei. Zwar beginnt die Ausbildung von Surfactant ungefähr ab der Mitte der Schwangerschaft, jedoch ist es erst ab ca. der 34. Schwangerschaftswoche in ausreichender Menge vorhanden, damit ein Frühchen selbstständig atmen kann.

Kündigt sich eine Frühgeburt unmittelbar an, erhält die Schwangere eine Cortisonspritze in den Gesäßmuskel. Dadurch wird beim Kind die Bildung von Surfactant gefördert und die Entfaltung der Lungenbläschen frühzeitig herbeigeführt. Dabei wirkt sich die Gabe von Cortison nicht nur günstig auf die Lungenreife aus, sondern fördert auch insgesamt die Entwicklung des Ungeborenen und senkt damit das Risiko von Komplikationen wie Hirnblutungen oder schweren Darmerkrankungen nach der Geburt. Nach der Entbindung benötigen einige Frühchen eine zusätzliche Gabe von Surfactant. Häufig ist es zudem notwendig, die Atmung des Kindes auch nach der Geburt medizinisch zu unterstützen.

Wehenhemmung durch Tokolyse
Der Prozess der Lungenreifung durch die Gabe von Cortison dauert in der Regel 48 Stunden. In diesem Zeitraum wird alles dafür getan, um die Frühgeburt zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Dafür wird die Wehentätigkeit – insbesondere also die Kontraktionen am Muttermund, die dazu führen, dass das Kind aus der Gebärmutter in den Geburtskanal gelangt – durch Medikamentengabe gestoppt. Diese Therapie nennt man Tokolyse. Besonders schonend für Mutter und Kind ist die Bolustokolyse: Das Medikament wird dabei nicht durch eine kontinuierliche Infusion, sondern in kleineren Dosen verabreicht. Durch das Verfahren wird nur ein Drittel der ansonsten üblichen Medikamentenmenge benötigt und die Tokolyse ist mit weniger Nebenwirkungen verbunden und besser verträglich.

Jede Stunde, die man dem Kind so noch im Bauch der Mutter ermöglichen kann, ist für die weitere Entwicklung des Frühchens nach der Entbindung wichtig. Wenn es aus medizinischen Gesichtspunkten möglich ist, wird deswegen auch nach den 48 Stunden weiterhin versucht, die Geburtstätigkeit mithilfe einer weiteren Tokolyse hinauszuzögern.

Die Geburt eines Frühchens
Grundsätzlich können auch Frühchen auf natürlichem Weg zur Welt gebracht werden. Bei sehr kleinen Kindern mit geringem Geburtsgewicht wägen Geburtshelfer und Kinderärzte gemeinsam mit den Eltern ab, ob ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt für das Frühgeborene das Beste ist.

Versorgung von Frühchen nach der Geburt

Zum Zeitpunkt ihrer Geburt sind Frühchen eigentlich noch nicht auf das Leben außerhalb der Gebärmutter vorbereitet. Das heißt auch: Je früher Kinder im Schwangerschaftsverlauf geboren wurden, desto mehr Hilfe benötigen sie, um alle Körperfunktionen so weit auszubilden, dass sie auch ohne medizinische Rundumversorgung nicht mehr gefährdet sind und nach Hause können. Bis es so weit ist, erhalten Frühchen im Perinatalzentrum die optimale Versorgung.

Während bei reifen Neugeborenen über das Fettgewebe Wärme produziert wird, können frühgeborene Kinder ihre Temperatur noch nicht selbst halten und kühlen schneller aus. Ebenso ist ihre Haut an die Umgebung während der Schwangerschaft angepasst, nicht aber an den Kontakt mit Luft. Die Hautbarriere ist noch nicht voll ausgebildet und wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, verlieren Frühchen deswegen über die Haut Flüssigkeit – es kann zu einer Austrocknung kommen.

Auch der Kreislauf passt sich nach der Entbindung erst noch an die neuen Gegebenheiten an und ist deswegen besonders bei Frühchen nicht sofort stabil. Außerdem brauchen sie häufig Unterstützung bei der Atmung. Darüber hinaus ist auch ihr Verdauungssystem noch nicht so weit entwickelt, dass unmittelbar nach der Geburt die alleinige Nahrungsaufnahme über den Magen möglich ist: Viele Kinder müssen daher zumindest ergänzend Ernährung über Infusionen erhalten.

Frühchen benötigen besondere Pflege und Schutz
In einem sogenannten Inkubator bzw. Brutkasten können die Ärzte und Pfleger dem Frühchen die ideale Umgebung schaffen, damit es sich weiter entwickeln kann. Im Inkubator sind von der Temperatur bis hin zur Luftfeuchtigkeit alle klimatischen und räumlichen Einflussfaktoren kontrollierbar. So können die Mediziner die Bedingungen in der Gebärmutter so weit als möglich imitieren und das Frühgeborene so in seiner weiteren Entwicklung und Reifung unterstützen.

Frühchen brauchen nicht nur eine besonders umfassende Versorgung, sondern müssen auch kontinuierlich beobachtet werden, damit eingeschätzt werden kann, wie es dem Kind gesundheitlich geht. Damit ein Frühchen bei normaler Raumtemperatur nicht auskühlt, müsste es dicke und warme Kleidung tragen und wäre dadurch unter vielen Stoffschichten versteckt. Im Brutkasten ist es so warm, dass wenig Kleidung ausreicht. Früher lagen Frühgeborene nackt im Inkubator. Heute weiß man jedoch, dass Kinder von Körperkontakt profitieren, und wickelt sie deshalb eng in ein dünnes Tuch ein. So ist das Frühchen gut zu sehen und wenn Komplikationen auftreten, können die Mediziner dem Kind schnell helfen, ohne ihm erst umständlich seinen Strampelanzug ausziehen zu müssen.

Während der Zeit im Brutkasten kann ein Frühchen schrittweise auf das normale Klima vorbereitet werden: Im geschlossenen Inkubator werden sowohl Temperatur als auch Luftfeuchtigkeit kontrolliert und ideal für das Kind eingestellt. Im offenen Inkubator arbeitet man mit Wärmestrahlern, um die Temperatur zu kontrollieren und dem Auskühlen vorzubeugen. Als letzten Schritt, bevor das Frühchen in einem normalen Bett liegen kann, befindet sich nur noch unter der Matratze eine gesonderte Wärmequelle. Frühgeborene werden so lange im Inkubator versorgt, bis sie auch mit normaler Bekleidung nicht auskühlen. Auch der Reifestand der Haut sowie der Allgemeinzustand werden dabei natürlich beachtet.

Eltern-Kind-Bindung
Eine Frühgeburt stellt sowohl für die Eltern als auch für das Kind eine extreme Situation dar. Die Eltern haben meist große Ängste und Sorgen und der Anblick des winzigen Kindes im Inkubator verstärkt diese Emotionen. Hinzu kommt, dass der Familienzuwachs nicht wie gehofft sofort nach Hause kann, sondern zunächst auf einer Frühgeborenen- oder Neugeborenenintensivstation behandelt wird. Diese Trennung belastet die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Da eine Bindung für die weitere Entwicklung eines Frühchens jedoch wichtig ist, werden die Eltern von medizinischer und pflegerischer Seite darin unterstützt, die Verbindung zu ihrem Kind aufzubauen.

Unterstützung im Krankenhaus
Sofern es der Zustand des Kindes zulässt, wird der Säugling auch bei einer Frühgeburt – unabhängig von der Entbindungsmethode – noch im Kreißsaal auf die Brust der Mutter gelegt. Der erste Haut- bzw. Körperkontakt direkt nach der Geburt erleichtert den Beziehungsaufbau für beide Seiten. Dieses Vorgehen bezeichnet man als „Bonding“, da es die Mutter-Kind-Bindung begünstigt.

Der Kontakt zwischen Eltern und Kind ist für die Entwicklung des Säuglings sehr wichtig. Deswegen werden Frühchen auch außerhalb des Inkubators versorgt: Sie verbringen so viel Zeit wie medizinisch möglich mit direktem Hautkontakt auf der Brust eines Elternteils. Da auch Kängurus ihre Kinder nach der Geburt eng am Körper tragen, heißt diese Methode „Kangarooing“. Die stabile Körpertemperatur der Mutter oder des Vaters reguliert einerseits die Temperatur des Neugeborenen besser als ein Inkubator. Andererseits sind auch der Puls und die Atmung bei Säuglingen, die so versorgt werden, stabiler, es treten weniger Komplikationen auf.

Optimale Ernährung für Frühchen
Während des Kangarooings sind die Voraussetzungen für erste Stillversuche ideal. Frühchen sind jedoch zum Zeitpunkt der Entbindung meist noch nicht unmittelbar so weit, dass sie selbstständig an der Brust ihrer Mutter trinken können: Einerseits funktioniert bei ihnen die Koordination von Saugen, Schlucken und Atmen zumeist noch nicht reibungslos, andererseits ist oft auch ihr Magen-Darm-Trakt noch nicht weit genug ausgereift, um Nahrung zu verdauen. Zu Beginn erfolgt deswegen ein Großteil der Ernährung über mit Nährstoffen angereicherte Infusionen direkt in den Blutkreislauf. Jeden Tag wird der aktuelle Bedarf des Kindes berechnet und es erhält eine genau abgestimmte Menge an Flüssigkeit, Eiweiß, Kohlenhydraten, Fetten, Spurenelementen sowie Vitaminen.

Um das Frühchen auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, erhält es so früh wie möglich auch über den Verdauungstrakt Nahrung. Die optimale Versorgung für jeden Säugling ist Muttermilch: Sie enthält neben den nötigen Nährstoffen noch viele weitere Bestandteile, die für die kindliche Entwicklung wichtig sind. Frühchen profitieren ganz besonders von Muttermilch und den darin vorhandenen Antikörpern. Wenn eine Mutter dazu bereit ist, wird ihre Milch auch vor Einsetzen des Saugreflexes ab ca. 34 Wochen nach Empfängnis abgepumpt und der Säugling wird damit über spezielle Trinkbecher oder Trinkschläuche gefüttert. Um die Sicherheit des Frühchens zu gewährleisten, wird die abgepumpte Milch gesondert untersucht. So werden Verunreinigungen ausgeschlossen. Für extrem frühgeborene bzw. kleine Frühchen wird die Muttermilch noch um weitere, für die Entwicklung günstige, Inhaltsstoffe ergänzt.

Ideale Bedingungen für die Weiterentwicklung auch nach dem Krankenhaus
Zu seinem eigenen Schutz kann ein frühgeborenes Kind erst nach Hause, wenn es einige Faktoren erfüllt, die als Anzeichen dafür gelten, dass es die Probleme der Frühgeburtlichkeit überwunden hat:

Das Kind hält bei normaler Umgebungstemperatur und Bekleidung seine Temperatur ohne auszukühlen. Atmung und Kreislauf bzw. Herzfrequenz sind stabil und benötigen keine unterstützenden Maßnahmen.
Der Säugling trinkt selbstständig (Brust oder Flasche) so viel, dass eine Gewichtszunahme erfolgt. Als groben Richtwert kann man davon ausgehen, dass ein frühgeborenes Kind rund um den eigentlich errechneten Geburtstermin das Krankenhaus verlassen kann. Wenn ein Frühchen sehr früh im Verlauf der Schwangerschaft geboren ist, muss es vielleicht sogar einige Wochen länger im Krankenhaus bleiben.

Nach dem Klinikaufenthalt sollten Eltern dieselben Hinweise für die erste Zeit zu Hause beachten wie mit jedem Neugeborenen und die Weiterentwicklung ihres Kindes aktiv fördern. Auf medizinischer Seite gibt es neben der kinderärztlichen Betreuung in einer Praxis auch die Möglichkeit, Nachsorgeuntersuchungen bei sozialpädiatrischen Zentren durchführen zu lassen. Weitere Unterstützungsangebote bieten beispielsweise Frühförderstellen an. Eltern können natürlich selbst entscheiden, welche Angebote ihnen zusagen und welche Hilfestellungen sie in Anspruch nehmen wollen.

Schon gewusst?
Nicht nur Frühchen werden im Inkubator versorgt. Alle neugeborenen Kinder, die nach der Geburt noch intensive Beobachtung und Betreuung benötigen, liegen eine Zeit lang im Brutkasten.

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